„Krisen sind Tief- und Wendepunkte“ – Statement von Prof. Volker Kronenberg

 

Politikwissenschaftler Prof. Dr. Volker Kronenberg zur aktuellen „Corona‐Krise“ und ihren mittel‐ und langfristigen Folgen für Politik und Gesellschaft

Krisen in der Geschichte: Nie nur Tief‐, sondern auch Wendepunkte

Dass politische und gesellschaftliche Krisen nicht nur Tief‐ sondern auch Wendepunkte markieren, veranschaulicht die Geschichte anhand mannigfacher Beispiele und Erfahrungen. Und so stellt auch die gegenwärtige „Corona‐Krise“ politisch verantwortliche Akteure ebenso wie die Gesellschaften in Deutschland, Europa und weltweit vor neue Herausforderungen, wie sie uns noch vor wenigen Wochen undenkbar schienen. China beziehungsweise Wuhan wirkten, aus deutscher und europäischer Perspektive, weit weg, der Ausbruch des Virus und seine Folgen erschien vielen wie ein lokales beziehungsweise regionales, womöglich nationales, Problem auf einem anderen Kontinent. Nun ist der unsichtbare Gegner bei uns angekommen und Politik wie Gesellschaft, die seit Jahrzehnten nicht mehr – seit Ende des Zweiten Weltkriegs, wie Bundeskanzlerin Angela Merkel in ihrer jetzt schon historisch zu nennenden Fernsehansprache eindrücklich verdeutlichte – vor einer solchen Wendung standen, sind gefordert.

Vertrauen als höchstes Gut: Krisen als Prüfsteine politischer Führungsfähigkeit

Krisen fordern politische Verantwortungsträger, fordern schnelle und effektive Antworten auf Fragen, die sich Tag für Tag neu stellen – und mithin tiefgehende, teils weitreichende Entscheidungen. Krisen verändern die innen- und außenpolitischen Agenden und Krisen rufen nach Besonnenheit, Augenmaß, Weit‐ und Umsicht und nicht zuletzt mutigem Entscheiden. Krisenzeiten sind Zeiten der Exekutive und sind vor allen Dingen Zeiten, in denen das Vertrauen der Bürger in kluges politisches Handeln und die bewährten Institutionen ein hohes, wenn nicht das höchste Gut darstellt. Krisen fordern und prägen Politik und Gesellschaft nicht nur situativ sondern können langfristige Veränderungen nach sich ziehen, von denen derzeit im Kontext der „Corona‐Krise“ niemand weiß wie diese aussehen. Sei es im sozioökonomischen Kontext, sei es im Kontext der internationalen Politik oder eben auch innen‐, gesell‐schafts‐ und nicht zuletzt parteipolitisch. Wer sich in der Krise bewährt, empfiehlt sich für Führungsverantwortung in der Zeit nach der Krise.

Bürgersinn und Gemeinwohlorientierung sind gefragt – vor und nach der Krise

Krisenzeiten sind aber auch gesellschaftlich beziehungsweise bürgerschaftliche Wendepunkte. Es sind Zeiten in denen Gemein‐, ja Bürgersinn, die Verantwortung eines jeden für den Nächsten gefragt ist – für das Gemeinsame, für die res publica. Ein verändertes Bewusstsein für das, was wirklich wichtig ist und zählt – auch jenseits des Pekuniären – mag in Krisenzeiten stärker ins Bewusstsein rücken, mag die politisch‐mediale Prioritätenliste, mag gesellschaftliche Wertigkeiten, womöglich nachhaltig beeinflussen. Krisen erinnern jede(n) Einzel‐ne(n) daran, dass ein freiheitliches demokratisches Gemeinwesen auf Voraussetzungen beruht, die dieses nicht selbst garantieren vermag. Keine noch so kluge verantwortungsvolle Politik und auch keine Verwaltung. Es kommt auf jede(n) Einzelne(n) an.

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Statement Prof. Kronenberg

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